CARE – Computer-assistierte Risiko-Evaluation in der Früherkennung psychotischer Erkrankungen

Unser Projekt CARE wurde im Themenfeld derDigitalen Transformation“ des Innovationsfonds im Jahr 2022 bewilligt. Das Projekt wird für 39 Monate mit insgesamt ca. 9,5 Millionen Euro gefördert. Das Projekt wird durch die Heinrich-Heine Universität/LVR Düsseldorf geleitet und in 9 Bundesländern durchgeführt.

Förderpartner

Der Weg in eine neue Versorgungsform

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) ist das oberste Beschlussgremium im deutschen Gesundheitswesen. Er bestimmt in Form von Richtlinien, welche medizinischen Leistungen die ca. 73 Millionen Versicherten beanspruchen können. Darüber hinaus beschließt der G-BA Maßnahmen der Qualitätssicherung für Praxen und Krankenhäuser.

Der Innovationsfonds ist ein wichtiges nachhaltiges Förderinstrument des G-BA, das es ermöglicht, zwischen den Versorgungsbereichen im Gesundheitswesen Brücken zu bauen. So sollen interdisziplinär neue Ideen und Perspektiven über die Grenzen der unterschiedlichen Bereiche hinweg erschlossen werden. Der Innovationsfonds treibt den Wettbewerb um die besten neuen Ideen an und bringt so kontinuierlich Innovationen in das Gesundheitssystem. So wirkt der Innovationsfonds als zentraler Motor für eine bessere Patientenversorgung in Deutschland.

Neue Versorgungsformen sind Versorgungsformen, die über die bisherige Regelversorgung der gesetzlichen Krankenversicherung hinausgehen. Gefördert werden Modelle, welche die sektorenübergreifende Versorgung der Versicherten weiterentwickeln, die innersektorale Schnittstellen optimieren oder Ansätze enthalten, die Trennung der Sektoren zu überwinden.

Hintergrund

Welche Ziele verfolgen wir?

Jedes Jahr sind etwa 20 Prozent der Menschen in Deutschland von einer psychiatrischen Erkrankung betroffen. Hierbei zählen Psychosen zu den kostenintensivsten Erkrankungen. Dies vor allem, da ihre oftmals schleichende, etwa durchschnittlich fünfeinhalb Jahre andauernde Entwicklung zumeist in der späten Adoleszenz und dem frühen Erwachsenenalter nicht frühzeitig genug im sogenannten klinisch erhöhten Psychoserisiko (oder Hochrisiko-Stadium, abgekürzt HR) erkannt wird. Derzeit bestehen kaum spezialisierte Präventionsangebote. Dies führt dazu, dass Betroffene oft wenig zielgerichtet nach Hilfen suchen, die Kosten ihrer Behandlung weiter steigen und der Therapieerfolg ausbleibt.

Das Projekt CARE möchte durch ein innovatives Präventionsmodell erstmals eine verbesserte, effiziente Risikoabschätzung von Patient*innen mit einem erhöhten Psychoserisiko im Altersbereich ab dem 16. Lebensjahr bis zum Alter von 40 Jahren erreichen, auf deren Basis eine individuelle Frühbehandlung erfolgt. Die Abschätzung des Risikos einer Psychoseentwicklung und/oder von Funktionseinbußen in den nächsten zwölf Monaten erfolgt zusätzlich mittels Algorithmen, die Methoden der Künstlichen Intelligenz (KI) zur Verarbeitung multimodaler klinischer Daten der Patient*innen nutzen. Darauf basierend erfolgt eine risikostratifizierte individuelle, modular gestaltete spezifische Behandlung, im Rahmen derer eine Psychotherapie über sechs Monate stattfindet.

Im Rahmen einer multizentrischen, randomisiert-kontrollierten Studie werden Patient*innen mit computer-gestützter Diagnostik und risikoadaptierter Behandlung mit einer Kontrollgruppe verglichen, die gemäß der Regelversorgung behandelt werden. Das medizinische Ziel der ambulanten strukturierten Versorgungsform besteht darin, mit diesen Maßnahmen bei Patient*innen den Ausbruch einer Psychose zu verhindern und das soziale und berufliche Leistungsniveau zu verbessern. Alle bis dahin laufenden Behandlungen bei Ärzt*innen oder Psychotherapeuten*innen können fortgesetzt werden. Bestehende Behandlungen können fortgesetzt werden. Die Versorgung in CARE versteht sich als ein spezialisiertes, zeitlich begrenztes Zusatzangebot für die Patient*innen.

In der anderen Studiengruppe wird die aktuell übliche Standardbehandlung der Regelversorgung weitergeführt. Es können neue Behandlungen begonnen oder bestehende Behandlungen fortgesetzt werden. Anschließend werden die Kostenfaktoren der neuen Versorgungsform in einer gesundheitsökonomischen Evaluation ausgewertet.

Im Erfolgsfall kann durch das Projekt CARE eine risikostratifizierte und personalisierte Diagnostik und Therapie entwickelt werden, um psychiatrische Erkrankungen aus dem Bereich der Psychosen zu verhindern oder Krankheitsverläufe deutlich abzumildern.

Organigramm

Wie sind wir strukturiert?

Netzwerk

Unsere Konsortialpartner*innen

Das Netzwerk CARE hat vor allem mit der Techniker Krankenkasse NRW, der DAK-Gesundheit und der AOK Rheinland/Hamburg – die Gesundheitskasse wichtige Konsortialpartner an seiner Seite.

Das Netzwerk besteht aus einem großen nationalen Verbund aus Kinder- und Jugendpsychiater*innen sowie Kinder- und Jugendpsychotherapeut*innen sowie Erwachsenenpsychiater*innen und -psychotherapeut*innen aus 9 Bundesländern die mit ihren ambulanten Früherkennungs- und Frühbehandlungszentren den gemeinsamen Weg einer präventiven Psychiatrie eingeschlagen haben.

Folgende Standorte an Universitäten und psychiatrischen Versorgungshäusern sind hier beteiligt und können bei der Rubrik Früherkennungszentren kontaktiert werden:

Die Charité – Universitätsmedizin Berlin, die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, das Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München, die Heinrich-Heine Universität/LVR Düsseldorf, LVR-Klinik Bonn, LWL-Universitätsklinikum Bochum, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Rheinhessen-Fachklinik Alzey, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Technische Universität Dresden, Universität Bern, Universität Konstanz, Universität Leipzig, Universität zu Lübeck, Universitätsklinikum Aachen, Universitätsklinikum Augsburg, Universitätsklinikum Bonn, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Universitätsklinikum Köln, Universitätsklinikum Münster, Universitätsklinikum Tübingen, Universitätsklinikum Würzburg, Vivantes Netzwerk Gesundheit GmbH, Diakonie Nord Nord Ost in Holstein gemeinnützige GmbH sowie das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit.

Die klinische Studie wird in Form einer Medizinproduktstudie durch das Klinische Studienzentrum der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf – als Standort der Konsortialführung – mit der Leiterin der klinischen Prüfung Univ.-Prof. Dr. Meisenzahl an der psychiatrischen Universitätsklinik geleitet. Ko-Leitung ist an der LMU München Univ.-Prof. Dr. Koutsouleris.

Die spezifische Behandlung, Schulung & Qualitätssicherung der spezifischen KVT-basierten Psychotherapie im aktiven Behandlungsarm der klinischen Studie wird durch Fr. Univ.-Prof. Dr. Stefanie J. Schmidt, Wissenschaftlerin, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin (VT) und Psychologische Psychotherapeutin (VT) der Universität Bern mit ihrem Team geleitet.

Die Gesundheitsökonomen an der Bergischen Universität Wuppertal unter Leitung von Fr. Univ.-Prof. Dr. Köberlein-Neu sind als Expert*innen für die Kalkulation der Gesundheitskosten mit gesundheitsökonomischen Kosten-Nutzen-Evaluationen in der klinischen Studie verantwortlich. Die Studie wird hinsichtlich wichtiger Aspekte der Ethik und ethischen Implikationen bei Aufklärung eines Krankheitsrisikos durch die renommierte Wissenschaftlerin und Direktorin des Center of Life Ethics Fr. Univ.-Prof. Dr. Woopen mit ihrem Team geleitet. Der bekannte Sozialpsychiater Univ.-Prof. Dr. Schomerus, Direktor der Universtät Leipzig an der Psychiatrischen Klinik vertritt mit seinen Mitarbeiter*innen das Thema der Analyse von Stigmatisierungsaspekten durch Früherkennung bei psychiatrischen Erkrankungen im Projekt CARE.

Der Beirat des Projekts

Der fachliche Beirat des Projektes und Netzwerk CARE besteht aus wichtigen zentralen nationalen Kooperationspartnern des Projektes und Netzwerkes.

Er unterstützt das Projekt mit Beratung, Unterstützung und Bekanntmachung des Projektes in den eigenen fachlichen Interessensvertretungen und Verbänden von Angehörigen, der Fachvertreter der Kinder- und Jugendpsychiatrie- und psychotherapie, der Fachvertreter der Erwachsenenpsychiatrie und – psychotherapie, der am Krankenhaus tätigen Fachärzt*innen als auch der ambulant tätigen Fachkollegen aus Medizin sowie den Betriebswirtschaftlichen Leitern der psychiatrischen Fachkrankenhäuser Bereichen wichtiger Fachgesellschaftender Fachverbände als auch die KV Sachsen-Anhalt.

Folgende Fachverbände sind als Beirat aktive Unterstützer von CARE:

  • Bundesarbeitsgemeinschaft der leitenden Klinikärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e. V. (BAG KJPP) (kinderpsychiater.org), Prof. Jung
  • Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen e.V. (BApK), (bapk.de), für den Vorstand: Dr. Hannig, Fr. Zipfel-Petereit
  • Die Bundesdirektorenkonferenz, Verband leitender Ärztinnen und Ärzte der Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie e.V. (BDK) (bdk-deutschland.de), Vorsitzende Fr. Dr. Claus
  • Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN)
  • Bundesverband der Fachärzte für Nervenheilkunde, Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie (berufsverband-nervenaerzte.de) für den Vorstand stell. Vorsitzende Fr. Dr. C. Roth-Sackenheim
  • Berufsverband Deutscher Psychiater (BVDP) (berufsverband-psychiater.de), für den Vorstand Vorsitzende Fr. Dr. Köhler
  • Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e. V. (dgkjp) (dgkjp.de), Präsident Uni.-Prof. M. Romanos
  • Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN) (DGPPN.de), für den Vorstand als Präsident Univ.-Prof. Meyer-Lindenberg 
  • Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) e. V.
  • Fachgruppe psychiatrische Einrichtungen (vkd-online.de/landesgruppe/fachgruppe-psychiatrische-einrichtungen), Hr. Höhmann
  • Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA)
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